Entspannen auf dem Campingplatz am Lanzer See, © Kati Vollmers© Kati Vollmers

14. April 2017

Vom naturnahen Niendorf in die Schifferstadt Lauenburg

Kategorien: Aktiv, Essen & Trinken, Natur, Übernachten, Herzogtum Lauenburg, Ostsee und Holsteinische Schweiz

Meine Reise durch ein von Natur und Historie geprägten Landabschnitt startet in Niendorf, einem kleinen Dorf an der Ostsee. Vom Hafen mit vielen kleinen Kuttern und bunten Buden aus dem fangfrischer Fisch verkauft wird, führt ein Fahrradweg entlang der Lübecker Bucht, wo einst das Meer die Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland darstellte. Ich parke meinen VW Bus auf dem Wohnmobilstellplatz Vogelpark, schwinge mich auf mein Rad und fahre zur Promenade. Es ist noch früh und so darf mein Blick zwischen den alten Kapitänshäusern und dem Meer schweifen. Nach einem kurzen Stück auf der Dorfstraße erreiche ich die Brodtener Steilküste von wo ich die Aussicht auf die Fährschiffe genieße, die Kurs auf Travemünde nehmen. Die Tour wiegt sich kleine Hügel auf und ab, der Boden ist gesäumt von Frühlingsblühern und unten am Meer stehen Angler die auf das Zucken an ihrer Schnur warten. Kurz hinter dem Cafe Hermannshöhe biege ich in den Wald ein und kehre auf der Hauptstraße nach Niendorf zurück, wo ich zwischen kreischenden Möwen und norddeutschem Klönschnack mein Fischbrötchen genieße. 

Nach der kleinen Stärkung mache ich mich im Bulli auf den Weg nach Lübeck, der Stadt der sieben Türme. Handelshäuser in Lübeck, © Kati Vollmers© Kati VollmersBeim Bummel durch die Altstadt erkunde ich die vielen kleinen Ganghäuser die ich nur durch kleine Öffnungen zwischen den größeren Häusern erreiche. Immer wieder stoße ich an den Enden der Straßen auf die Trave, welche die Innenstadtinsel vom Rest Lübecks abgrenzt. Ich folge dem Wasser und umrunde so die Insel. Hierbei komme ich in den Genuss imposanter Fassaden der Handelshäuser, des Holstentors und dem Park am Mühlenteich. Am Rathausplatz mache ich eine Pause im Café Erdapfel und plane meine Weiterreise entlang des Flußes Wakenitz, der in den Ratzeburger See mündet.

Einige Kilometer nördlich von Lübeck erreiche ich durch einen Feldweg den Anlegeplatz am Landhaus Absalonshorst. Die Grenze verlief hier direkt am Ufer der Wakenitz. Am selben Ufer genieße ich einen Kaffee auf den Holzbohlen der Anlegestelle für Kanufahrer. (Ab Ostern gibt es hier die Möglichkeit der Schiffsrundreise zwischen Lübeck und dem Ratzeburger See zuzusteigen.) Vereinzelt reißt mich das sanfte Plätschern von vorbeifahrenden Kanuten aus meinen Gedanken, denn die Wärme dieses herrlichen Frühlingstages und das Zwitschern der Vögel verleiten mich die Augen zu schließen und zu träumen. Ich breche auf um durch den kleinen Waldweg zurück zum Parkplatz zu schlendern. Ein Wegweiser zeigt 33km nach Norden an, ein Weiterer 18km Richtung Ratzeburg dessen Dom ich von meinem heutigen Campingplatz sehen werde.

Die Anfahrt zum Campingplatz Schwalkenberg führt mich kreuz und quer durch Felder bei dessen Durchfahren ich in Gedanken versinke bis mich plötzlich ein Strauß ebenso verdutzt wie ich vom Feld her anblickt. Blick auf den Ratzeburger See, © Kati Vollmers© Kati VollmersNein, ich habe nicht die Schafe zum Einschlafen durch Sträuße ersetzt. Auf dem Feld an dem ich gerade abgebogen bin steht ein ungefähr zwei Meter großer Straußenvogel und als ich noch darüber nachdenke ob ich das gerade wirklich gesehen habe laufen drei weitere Tiere auf dem Feld neben mir. Leider bin ich zu überrascht, sodass ich vollkommen vergesse diesen Moment mit der Kamera festzuhalten. Am Abend bestätigen Recherchen, dass es in dieser Region mittlerweile 100 freilebende Nandu gibt die vor ca. 10 Jahren von einer Straußenfarm ausgebrochen sind. Beflügelt von dem unerwarteten Erlebnis passiere ich den holprigen Anfahrtsweg. Nach einer steilen Abfahrt rolle ich sanft auf die kleine Besucherwiese des Campingplatzes am Ufer des Sees wo bereits zwei andere Campervans stehen und sich dem Anblick des Ratzeburger Doms erfreuen. Am Abend nimmt der Wind ab und es legt sich eine Ruhe über den See mit der die letzten Segelschiffe in ihre Häfen einkehren. Ich ziehe mich in den Bus zurück und beobachte wie der Dom bei zurück gehendem Tageslicht im Glanz der Scheinwerfer erstrahlt. In der Früh ziehen meine Nachbarn auf ihren SUPs ruhige Bahnen über den von Morgendunst bedeckten See während ich mein Frühstück zubereite.

Einige Stunden später erreiche ich über eine kleine Anfahrtsstraße die Inselstadt Ratzeburg. Bei Sonnenschein tummeln sich Touristen an den Ufern der Stadt. Unzählige kleine Stege führen in den Ratzeburger See hinein, das Schilf ragt kulissenreif neben Bootsschuppen in die Höhe und ich lausche den Worten eines alten Pärchens auf einer Parkbank die, inspiriert von zwei Jungen in Badehosen, davon erzählen in der Jugend Wetten vereinbart zu haben wer im Frühjahr zuerst ins kühle Nass springen muss.Vom Dom aus entdecke ich den Campingplatz auf dem ich mich am Vorabend den spiegelverkehrten Anblick betrachtete. Auf dem Rückweg zum Campervan besorge ich mir einSofteis aus eigener Herstellung an dem liebevoll gestalteten Eiswagen von Milchverliebt. Ich schlemme die „kalte Kuh“ genüsslich in der Sonne bevor ich meinen Roadtrip entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze fortsetze.

Den noch kahlen Bäumen zum Glück werde ich von dem Glitzern der Sonne, die auf das Blau der Seen trifft und abwechseln neben mir auftauchen, in den Bann gezogen. Der idyllische Landstrich zwischen Ratzeburg und Klein Zechen führt mich über Mustin, Kittlitz, Dragow und Seedorf. Filmreife Kulisse am Ratzeburger See, © Kati Vollmers© Kati VollmersBesonders schön ist das Dörfchen mit dem bezaubernden Namen Zuckerhut. Von Klein Zechen aus fahre ich auf direktem Weg zum Campingplatz am Lanzer See um den Nachmittag ausklingen zu lassen. Die Auffahrt führt über eine kleine Brücke von der ich die Landzunge erblicke die zwischen Fluß und See hervorragt und auf der ich einige Minuten später mein Nachquartier aufschlagen darf. Ich mache es mir an der Spitze des Ausläufers bequem und während sich die Sonne vor dem Ende des Tages verneigt versinke ich am Ufer des Sees in einem guten Buch.

Noch in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages erreiche ich Lauenburg dem Zielort meiner Route. Dort wo einst Nord – von Westdeutschland getrennt war spaziere ich durch den Fürstengarten und folge dem Wallweg, einem holprigen und sich schlengelnden Weg, hinab in die historische Altstadt. Am Ufer der Elbe werde ich mit Schönheit von Fachwerkhäusern überschüttet an dessen Elbseite eine hölzerne Tafel die Höchststände vergangener Hochwasserfluten anzeigt. Es würde ewig dauern jeden Winkel zu entdecken, weshalb es den Ort für mich noch magischer macht. 

Bevor meine Reise zu Ende gehen soll mache ich auf meiner Rückfahrt einen kurzen Abstecher und besuche das Brenner Moor. Ich schlendere vom kleinen Parkplatz nahe der „Grünen Brücke“ auf direktem Weg in das Naturschutzgebiet. Der Bohlenweg erstreckt sich hunderte Meter gesäumt von Schilf bis er die Trave erreicht, den Fluß den ich bereits am Anfang meiner Tour in Lübeck begleitete. Ich wandere beim Gleichklang meiner Schritte auf dem Holzweg immer tiefer ins Moor und ersetze die verschwommenen Erinnerungen meiner Kindheit von Moorbesuchen mit neuen Eindrücken. Auf der kleinen Bank an der Trave gleiten unerwartet zwei Kajakfahrer an mir vorbei. Enten tauchen zwischen den Gräsern auf und starten mit kräftigen Flügelschlägen in die Lüfte. Ein wahrlich gelungener Abschluss einer Reise durch ein wunderschönes Gebiet Schleswig-Holsteins.

Kati Vollmers, © Kati Vollmers

Autor: Kati Vollmers

...reist als Gastbloggerin durch’s Land und ist auf der Suche nach Glücksorten für Camper in Schleswig-Holstein und inspiriert Urlauber auf ihrem eigenen Blog Cruising Campers Blog