Campervan am Fähranleger© Kati Vollmers

2. Juni 2016

In­selhop­ping auf Frie­sisch – Un­ter­wegs im Wohn­mo­bil auf Föhr und Am­rum

Bloggerin Kati nimmt euch mit zum Inselhopping zwischen Föhr und Amrum. In ihrem Campervan und mit dem Fahrrad hat sie die weiten Strand- und Dünenlandschaften der beiden Nordseeinseln erkundet, was im Herbst eine ziemlich stürmische Angelegenheit sein kann...

Richtiges Schietwetter präsentierte sich, als wir am Freitagmorgen in aller Frühe den Fähranleger Dagebüll erreichten. Ich hatte Mitleid mit dem Einweiser, der trotz starker Windböen und morgendlicher Kälte ohne Schal und Mütze versuchte, alle Fahrzeuge wie Tetrissteine in die Fähre zu manövrieren, während Kai und ich in der Campervan auf der Fähre© Kati Vollmerskuscheligen Wärme unseres Wohnmobils auf das Verschiffen warteten. Aber irgendwie schien ihm das raue Wetter kaum etwas auszumachen. Ein echter Friese eben! Obwohl ich bereits seit knapp zehn Jahren in Kiel lebe, kämpfe ich immernoch mit meinen Haaren, wenn diese mal wieder von der steifen Brise zu einem Knäuel verschlungen wurden. Unser VW Bus wurde millimetergenau zwischen zwei LKWs platziert und ich hoffte, dass der vordere von Beiden das Anfahren mit Handbremse für das Herausfahren aus der Fähre beherrschte. Föhr hieß das erste Ziel, welches wir uns für das verlängerte Inselhopping-Wochenende an der Nordsee vorgenommen hatten. Die Nordseeinseln liegen so nah beieinander, dass es sich während eines Urlaubs anbietet von einer zur anderen zu reisen. Wir entschlossen uns für Föhr und Amrum, da es auf beiden Inseln Übernachtungsmöglichkeiten für Camper gibt. Theoretisch könnte das Wohnmobil auf einer Insel stehen bleiben, während Tagesausflüge zu den umliegenden Inseln und Halligen unternommen werden. Wir, als rollende Nomaden, bevorzugten jedoch unser Zuhause mitzunehmen.

Auf Föhr angekommen surrte unser Wohnmobil durch die niedlichen Friesendörfer mit ihren reetgedeckten Häusern und da es früh am morgen (ca. 6.30 Uhr) war, genoss ich die Fahrt ohne jeglichen Gegenverkehr, bis wir von einer menschlichen Straßenblockade aufgehalten wurden. Zwei junge Föhrer, die vorbildlich auf dem Nachhauseweg für das leibliche Campervan hinter den Dünen© Kati VollmersWohl ihrer Freundinnen beim Bäcker eingekehrt waren, standen mit ihren Brötchentüten auf der Straße. Ich hielt an und Kai versuchte die beiden von der Straße zu bewegen, doch der Kommunikationsversuch scheiterte, da sie zum einen den einheimischen Dialekt Fehring sprachen und zum anderen der Versuch Hochdeutsch zu sprechen aufgrund der nächtlich konsumierten Erfrischungsgetränke verhindert wurde. Nach kurzer Wartezeit setzten wir unseren Weg nach Utersum fort.

Nachdem wir unser Wohnmobil auf dem Stellplatz geparkt und die nähere Umgebung bei einem Spaziergang erkundet hatten, schnappten wir uns unsere hochmodernen 80er Jahre Fahrräder und machten die Insel unsicher. Wir guckten uns verdutzt an, als wir bereits nach 10 Minuten an unserem ersten Routenpunkt angelangt waren. Die kleinen Dörfer sind für Fahrradfahrer gut vernetzt und liegen erstaunlich nah beieinander, sodass wir an einem Nachmittag viel von der Insel entdecken konnten. Wir radelten auf einem Weg durch Felder von Utersum über Süderende nach Oldsum und später über Dunsum zurück zum Ausgangspunkt. Der Weg führte durch bezaubernde Orte, weshalb ich mich zurückhalten musste, nicht bei jedem zweiten Haus für Fotoaufnahmen anzuhalten. In der Vorsaison waren noch nicht viele Touristen Rotes Friesenhaus© Kati Vollmersunterwegs und einige von ihnen schreckte vermutlich der Wind vom Radeln ab. Uns jedoch machte es nichts aus und wir genossen den Ausflug getreu dem Motto, dass es kein schlechtes Wetter sondern nur schlechte Kleidung gibt. Wir lachten als uns eine Gruppe Radfahrer entgegen kam und ein junges Mädchen begeistert rief: „Oh guckt mal, andere Menschen!“. Oldsum empfanden wir als besonders authentisch mit den kleinen, schmalen Gassen aus Kopfsteinpflaster, über die wir mit unseren Rädern schepperten bis wir in einem kleinen Café einkehrten, um uns aufzuwärmen.

Am nächsten Tag nutzen wir den Vormittag um Neblum und Wyk zu erkunden, bevor wir die Fähre nach Amrum nahmen. Da bereits Fahrzeuge aus Dagebüll auf der Fähre waren, die diese in Föhr verließen, musste ich dieses Mal rückwärts auf die Fähre fahren. Da der Einweiser mir dieses Detail verschwiegen hatte, durfte ich kurz vor der Auffahrt nochmals drehen, um mit dem Hinterteil zuerst einzuparken. Meine Armmuskeln bedankten sich für das zusätzliche Muskeltraining, welches ich aufgrund der fehlenden Servolenkung unseres fast Oldtimers absolvierte. Dafür trug ich mit unserer Aktion zur Unterhaltung der bereits eingestiegenen Passagiere sowie des Fährpersonals bei. Kaum geparkt, wurden wir mit technischen Fragen zu unserem VW Bus gelöchert. Zur Belohnung durften wir ganz vorne an der Spitze parken, sodass wir beim Anlanden einen grandiosen Ausblick genossen, als sich die Brüstung am Bug kurz vorm Anlegen öffnete, um die Rampe anzudocken. Der Weg zum Campingplatz auf Amrum war noch kürzer als der auf Föhr. Ich hatte gerade Wittdün hinter mir gelassen als das Campingsymbol vor uns auftauchte. Auf dem Platz in den Dünen ließen wir uns für die nächsten zwei Nächte nieder. Wie jeder guter Camper erkundeten wir sofort den schnellsten Weg zum Wasser und ich als Amrum Neuling wurde von dem Anblick des Kniepsandes überwältigt, als wir die Öffnung der Dünen erreichten. Die Kombination aus Wind, treibenden Wolken, Sonnenstrahlen und Sand soweit das Auge reicht war einmalig. Fast wirkte es, als wären wir in einer Wüste und das Wasser am Ende der Sandlandschaft eine Fata Morgana. Wir stapften durch den Sand bis zur Wasserkante und als ich dachte es könnte nicht schöner kommen, drehte ich mich um: Ich hatte vermutet, dass der Anblick des Kniepsandes, den ich von den Dünen aus gesehen hatte, bereits die schönste Perspektive war, doch konnte ich mich nun nicht entscheiden ob es in der Gegenrichtung nicht noch schöner war. Der endlos wirkende Sand mit den Dünen, die sich in den Himmel hoben und dem Amrumer Leuchtturm war atemberaubend.

Kniepsand auf Amrum© Kati Vollmers

Auf dem Hinweg scherzte ich, dass wir hätten Brotkrumen auswerfen sollen, um den Rückweg zu finden. Doch dieses Vorgehen hätte sich ohnehin als sinnlos herausgestellt, da der wandernde Sand die eigenen Fußabdrücke bereits nach Minuten verschwinden ließ. Kai, mein heimlicher Pfadfinder, hatte sich jedoch bereits zu Beginn eine Fahne als Orientierungspunkt gemerkt, sodass kein Suchtrupp nach uns entsandt werden musste.

Am nächsten Tag setzen wir unsere Fahrradtour auf der zweiten Insel fort. Amrum schonte unsere Kräfte zunächst, da wir durch den Wald-Fahrradweg dem Wind entgehen konnten. Zudem war es eine tolle Abwechslung zu den Feldwegen auf Föhr. Unterwegs sahen wir mehrfach Fasane am Wegesrand. Dünenlandschaft© Kati VollmersDie nördlichste Ortschaft Norddorf erreichten wir bereits nach einer guten halben Stunden und ließen es uns nicht nehmen den angeblich besten Kuchen im Café Schult zu genießen. Neben dem Kuchen versuchten wir uns am berühmten Pharisäer (Kaffee mit Rum und Sahnehaube) was dazu führte, dass Kai auch meinen trinken musste und bereits um 13 Uhr einen kleinen Schwips hatte. Ganz schön hart im Nehmen die Friesen!

Nach weiteren zwei Stunden auf unseren Drahteseln hatten wir die 21 km der großen Fahrradrundtour Amrums absolviert und entspannten glücklich mit einem guten Buch im kuscheligem Bett unseres Wohnmobils. Ab und an genoss ich den tollen Ausblick aus meinem kleinen Fenster im Hochdach. Ich konnte tatsächlich den Amrumer Leuchtturm bewundern und hoffte bereits jetzt, dass am nächsten Tag die Sonne scheinen würde, da wir planten diesen zu besteigen. Und tatsächlich: Am nächsten morgen kämpfte sich die Sonne nach kurzem Zögern durch die Wolkendecke und bescherte uns einen grandiosen Abschied von Amrum.

Kati Vollmers, © Kati Vollmers

Autor: Kati Vollmers

...reist als Gastbloggerin durch’s Land und ist auf der Suche nach Glücksorten für Camper in Schleswig-Holstein und inspiriert Urlauber auf ihrem eigenen Blog Cruising Campers Blog