Strandkorb in Heiligenhafen© Jan-Christoph Schultchen

3. April 2020

Hin­ter den Ku­lis­sen im ech­ten Nor­den

Schleswig-Holstein. Immer eine Reise wert, das steht außer Frage. In unserem so facettenreichen Bundesland ist für jeden Geschmack etwas dabei. Doch wie schaut es hinter den Urlaubskulissen aus? Was sind die Geschichten, mit denen wir an sommerlichen Grillabenden bei unseren Freunden punkten, im Quizduell siegen oder sogar unseren Großeltern noch etwas beibringen können? Natürlich immer voller Vorfreude auf unsere nächste Reise in den echten Norden.

Apropos echter Norden…

Was hat es eigentlich mit dem echten Norden auf sich? Seit 2014 werden Einheimische wie Gäste an Schleswig-Holsteins Grenzen mit den blauen Schildern begrüßt. „Schleswig-Holstein. Der echte Norden.“ steht darauf. Aber was bedeutet das eigentlich? Ist Schleswig-Holstein nordischer als Hamburg? Oder gar als Dänemark?

Logo Schleswig-Holstein. Der echte Norden

„Schleswig-Holstein. Der echte Norden.“ ist die sogenannte Dachmarke unseres Landes. Jedes deutsche Bundesland hat seine eigene Dach- bzw. Landesmarke. So trägt zum Beispiel unser Nachbarland den Slogan: „Mecklenburg-Vorpommern tut gut.“ Eine Landesmarke soll die Stärken des jeweiligen Bundeslands transportieren und hervorheben, was mit dem Land in Verbindung gebracht wird. Dabei spielen Glaubwürdigkeit und Alleinstellung eine große Rolle.

Natürlich ist auch Hamburg eine nordische Stadt und Dänemark geografisch nördlicher gelegen als Schleswig-Holstein. Wir aber sind das nördlichste deutsche Bundesland – das ist unser Alleinstellungsmerkmal. Beim Begriff „Norden“ denken viele Menschen an das Meer. Ein Land mit zwei Küsten (= 2. Alleinstellungsmerkmal) kann sich also glaubwürdig als der Norden positionieren. Damit wäre dieser Begriff unserer Landesmarke geklärt. Und warum „echt“? Das ist in diesem Zusammenhang als Qualitätsversprechen zu verstehen. Es bezieht sich also weniger auf die geografische Ausrichtung als mehr auf die Werte, für die Schleswig-Holstein steht: Authentizität, Klarheit, Bescheidenheit, Bodenständigkeit, Butter bei die Fische. Bei uns weiß man immer, woran man ist – wir sind echt. Und somit sind wir Schleswig-Holstein. Der echte Norden.

Unsere Wahrzeichen an Nord- und Ostsee

Strandkörbe in Niendorf© TA.SHVielleicht könnt ihr ihn ja spüren, den Flair des Nordens, wenn ihr in eurem nächsten Urlaub in einem windgeschützten Strandkorb sitzt und die raue, salzige Luft erschnuppert. Und falls ihr vor lauter Meeresrauschen gar nicht mehr wisst, ob ihr gerade an der Nord- oder womöglich an der Ostsee seid, dann schaut euch euren Strandkorb einmal genauer an.

Die Strandkörbe an Nord- und Ostsee unterscheiden sich nämlich in der Optik. Am besten zu erkennen ist das anhand der Seitenwände: gerade an der Nordsee, geschwungen an der Ostsee. Sind die Nordseestrandkörbe aufgrund des raueren Klimas also eckiger und kantiger als die Ostseestrandkörbe? Tatsächlich steckt dahinter ein kleiner Wirtschaftskrimi.

Strandkörbe auf Sylt© TA.SH

Auf der nordfriesischen Insel Sylt befindet sich eine der ältesten Strandkorbmanufakturen Deutschlands: Der Familienbetrieb der Trautmanns. Willy Trautmann verschickt die handgefertigten Exemplare in die ganze Welt. Sein Stiefvater ist zwar nicht der Erfinder des Strandkorbs, er hat aber in den 50er-Jahren die Technik entwickelt, die aus dem einstigen Sitzkorb einen Korb mit verstellbarer Liegefunktion machte. Und im Gegensatz zum Urerfinder des Strandkorbs, Wilhelm Bartelmann, dachte Trautmanns Stiefvater daran, sich seine Erfindung patentieren zu lassen. So waren Strandkorbhersteller an der Ostsee gezwungen, die Seitenscharniere ihrer Körbe optisch zu verändern. Denn sie wollten ebenfalls von dieser wunderbaren Technik Gebrauch machen ohne die Patentrechte zu verletzen. Bis heute haben die Strandkörbe an der Nordsee eckige Seiten und die an der Ostsee geschwungene. Na, wenn das kein Thema für den nächsten Grillabend ist!

Die "nördlichste Fischbude Deutschlands"

Und wenn wir schon beim Essen sind: Welches kulinarische Highlight wird sofort und ohne Umschweife mit der nordischen Küche verbunden? Richtig: Fisch. Und wo befindet sich die nördlichste Fischbude Deutschlands? Richtig: In Schleswig-Holstein. Genauer gesagt, in List auf Sylt. Schon wieder diese Nordseeinsel. Und auch wenn der Titel „Nördlichste Fischbude Deutschlands“ bereits ein besonderer ist – da geht noch mehr! Das dachte sich Jürgen Gosch wohl, als er seinen Bauchladen kurzerhand zum Konzern ausbaute. Die Geschichte eines Mannes und seiner Leidenschaft für Fisch.

Als echtes Nordlicht, in Tönning geboren, verbrachte Gosch bereits seine Kindheit bei den Kuttern am Tönninger Hafen. Dort kannte er jeden Fisch und jeden Fischer. Zwar kam er zunächst als Maurer nach Sylt, doch jeden Feierabend stand er am Lister Weststrand und verkaufte Fisch aus seinem Bauchladen. So verdiente er sich etwas dazu. Es dauerte nicht lang, da wurden aus rohem Aal belegte Fischbrötchen und aus dem Bauchladen ein Verkaufswagen – damals der zweite Fischwagen am Lister Hafen. Gosch war also nicht allein mit seiner Idee. Doch das spielte keine allzu große Rolle. Eines Morgens fuhr er seinen Wagen drei Meter weiter nach Norden und stellte ein Schild auf mit der Aufschrift „Nördlichste Fischbude Deutschlands“. Da nahm der Erfolg seinen Lauf. Heute hat der einstige Bauchladenbesitzer Jürgen Gosch 11 Filialen auf der Insel Sylt und 34 in ganz Deutschland. Zwei davon sogar auf Kreuzfahrtschiffen.

Insofern: Ja, der Titel „Nördlichste Fischbude Deutschlands“ ist außergewöhnlich. So außergewöhnlich, dass diese kleine Veränderung an diesem einen Morgen entscheidend waren für den großen Erfolg des heutigen Unternehmens. Dort, wo alles anfing, ist Jürgen Gosch übrigens auch heute noch anzutreffen: Regelmäßig steht er in seiner Mutterfiliale in List auf Sylt hinter dem Tresen und verkauft seinen Fisch.

Jenen Fisch, der unser Bundesland kulinarisch so prägt. Das touristische Highlight, die Leibspeise der Einheimischen. Und wenn ihr das nächste Mal dem roten Schriftzug begegnet, ganz egal wo, dann denkt an den jungen Mann mit dem Bauchladen. Freut euch auf euren nächsten Urlaub im echten Norden. Und seid euch sicher, dass mit Leidenschaft und Liebe alles möglich ist. Es sind wie so häufig die kleinen Dinge, die Großes bewirken.

Mitarbeiterin der TA.SH Annina Klar, © Fran

Autor: Annina Klar

…ist ein echtes Küstenkind und liebt die unberührte Schönheit des Nordens. Mit ihren beiden Hunden ist sie viel in der Natur unterwegs und immer wieder überrascht, wie einzigartig Schleswig-Holstein ist. Es ist ein Geschenk, hier zu leben und diese Liebe mit anderen Menschen zu teilen, bringt ihr unheimlich viel Freude.