Schloss Glücksburg, © TA.SH© TA.SH

12. Januar 2018

GESCHICHTE(N) ERLEBEN IM MÄRCHENSCHLOSS

Kategorien: Aktiv, Kultur

Schlösser und Gespenster, das gehört zusammen wie Topf und Deckel, denke ich auf der Fahrt zum Schloss Glücksburg – und unweigerlich an Hui Buh, das Schlossgespenst. Ich bin zur Führung „Spuk im Schloss“ angemeldet. Vor der abendlichen Führung durch das Residenzschloss aus dem späten 16. Jahrhundert will ich mir jedoch die Räumlichkeiten am hellichten Tage ansehen. Bislang kenne ich nur den „Weißen Saal“: Zu Studienzeiten war ich bei einem Konzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals, das den Saal in der 2. Etage als Spielstätte nutzt. Ich bin daher doppelt gespannt auf das Schlossinnere – bei Tag und bei Nacht!

Am Eingang erfahre ich überraschenderweise, dass ich über die Führung gar nicht schreiben darf. „Was im Schloss passiert, bleibt im Schloss“, beschwört mich Museumspädagogin Claudia Ziegeler. Was sie sagt und wie sie es sagt, klingt echt unheimlich und macht mich neugierig: Was werde ich in den dunklen Gemächern des Schlosses erleben und erfahren? Welchen guten Geistern und Spuren der Vergangenheit werde ich begegnen?

Von der Kapelle bis zum Dach

Deckenmalerei in der Kapelle von Schloss Glücksburg, © TA.SH© TA.SH

Mit einem Audioguide ausgestattet, starte ich meinen Rundgang im rustikal eingerichteten Erdgeschoss, der Grünen Diele. Mein Weg führt mich in die Schlosskapelle. Für eine Barockkirche ist sie vergleichsweise schmucklos, für eine lutherische Kirche dagegen herrschaftlich ausgestattet – dem Stand des Hauses angemessen. Das heutige Aussehen erhielt sie im 18. Jahrhundert. Heute ist die Kapelle ein beliebter Ort zum Heiraten. Vielleicht erhoffen sich die Brautpaare eine Extraportion Glück für ihre Ehe, getreu dem namensgebenden Motto des Hauses „Gott gebe Glück mit Frieden“?

Hinter dem Altar finde ich eine Ausstellung zum früheren Zisterzienserkloster. Auf dessen Grund wurde das Schloss errichtet. Die Granitsteine der abgetragenen Klosterkirche nutzte man anschließend für den 2,50 Meter hohen Sockel des Schlosses.

Stuckblumen und Kristalle

Stillleben im Kaiserinnensalon: die Porträts des letzten deutschen Kaiserpaares, © TA.SH© TA.SH

Im ersten Stock erwartet mich der „Rote Saal“ mit wunderbaren Möbeln aus dem 19. Jahrhundert. Mit Filzpantoffeln gleite ich über die Eichendielen und bestaune die Gewölbedecke: Die Stuckblumen und -figuren gefallen mir – wie auch die beiden Kronleuchter in der Saalmitte: 2.000 böhmische Kristallen funkeln in der spätherbstlichen Nachmittagssonne – staunend betrachte ich das Lichterspiel der geschliffenen Steine. Die Wände sind übrigens nicht mehr mit roten Satintapeten bezogen, sondern schlicht Weiß verputzt.

In den angrenzenden Räumen des Roten Saals, verrät mir der Audioguide, wohnte die letzte deutsche Kaiserin Auguste Viktoria, wenn sie ihre jüngere Schwester Caroline Mathilde besuchte. Der „Kaiserinnensalon“ ist prunkvoll ausgestattet, darunter mit Meißner und Kopenhagener Porzellan. Mir fallen die beiden Porträts am Fenster ins Auge – ein schönes Stillleben. Eine historische Fotografie zeigt das originale Ambiente um 1900. Den Geschmäckern seiner Bewohner wurde das Interieur immer angepasst.

Ein Märchenschloss als Filmkulisse

Kennen Sie die ZDF-Serie „Der Fürst und das Mädchen“? Zwischen 2002 und 2007 wurde aus Schloss Glücksburg „Schloss Thorwald“. Den Schlossherrn Fürst Friedrich von Thorwald spielte Maximilian Schell; Prinz Christoph heißt hingegen der „echte“ Chef des Hauses Schleswig-Holstein. Das Schloss selbst ist ein Museum; auf dem Schlosshof wohnen aber noch Mitglieder der Familie.

Familiengeschichten und Märchen

Im „Weißen Saal“ feiert eine Schar Kinder gerade Geburtstag: Verkleidet als Prinzessinnen und Prinzen erkundet sie das Schloss. Ich sehe mir das Markgrafenzimmer mit seinen Wandteppichen und den “begehbaren Stammbaum” von Prinz Christian IX. an: Die Kinder des „Schwiegervater Europas“ heirateten in alle wichtigen europäischen Adelshäuser. Einen Turm weiter befindet sich die „Märchenausstellung“: Hier tauchen große und kleine Besucher in die Welt von sieben Grimm’schen Märchen ein. Im Vorbeigehen sieht es so aus, als würde mir der Froschkönig einen Handkuss zuwerfen. Sehe ich etwa schon Gespenster?

Täusche ich mich oder flirtet der Frosch in der Märchenausstellung von Schloss Glücksburg mit mir?, © TA.SH© TA.SH

Unterm Dach, der letzten Station meines Rundgangs, ist es kalt. Hier oben hat die Dienerschaft gelebt, unter genau diesen ungemütlichen Bedingungen! Die Schlafkammern befinden sich in den Dachschrägen, getrennt nach Frauen und Männern. In den wenigen freien Momenten, saßen alle in der „Guten Stube“ zusammen, die auch beheizt werden konnte. Besonders beeindruckend finde ich die schmuckvollen Uniformen – sie wurden zu besonderen Anlässen getragen.

Zum Schluss werfe ich noch einen Blick in den Wehrturm, vier sind es insgesamt: sie verleihen dem Schloss seinen Burgcharakter. Wobei die Türme ursprünglich nicht gedeckt waren, wie das bei Burgen üblich war. Mit den vielen Eindrücken aus dem Leben der Familie des Hauses Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg im Gepäck, beende ich meinen Schlossbesuch am Nachmittag. Bis zur Spuk-Führung habe ich zwei Stunden Pause; Zeit für einen Snack im Restaurant Café Pico.

Führung „Spuk im Schloss“

Um 18 Uhr bin ich zurück. Das Schloss erstrahlt im Lichte der Scheinwerfer – ich bin gespannt auf das, was mich erwartet. Kurz, bevor sich das Schlosstor öffnet, geht das Licht aus – und wir – rund 20 Personen – stehen im Dunkeln. Laternen flackern in der Eingangshalle. Das fängt ja gut an, denke ich! „Was im Schloss passiert, bleibt im Schloss“, erinnere ich mich an Claudia Ziegeler, die uns im Laternenschein begrüßt. Tja, und mehr darf ich leider nicht verraten. Nur so viel: Den Gruselfaktor „Schloss bei Nacht“ habe ich wirklich unterschätzt. Standen die Dinge tagsüber wirklich da, wo sie jetzt stehen? Das Knarren der Eichendielen und das Schreien der Enten auf dem See – beides klang tagsüber um einiges harmloser. Definitiv: Nichts für schwache Nerven!

Für die spannenden Einblicke in die Geschichte des Hauses Schleswig-Holstein und seine sichtbaren wie unsichtbaren Bewohner bedanke ich mich bei der Stiftung Schloss Glücksburg, „Geisterbeschwörerin“ Claudia Ziegeler und weltentor. Vielen Dank für die spannenden Anekdoten und überraschenden Momente.

Ihr Besuch im Schloss Glücksburg

Für Besucher ist der Renaissance-Bau von November bis April an den Wochenenden von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Von Mai bis Oktober hingegen kann das Schloss täglich von 10 bis 18 Uhr besichtigt werden. Weitere Informationen zu den Führungen und Tickets erhalten Sie im Onlineshop.

Katrin Krumpholz, © TA.SH

Autor: Katrin Krumpholz