Ein Camping-Wochenende in Ostholstein: zwischen Rapsfeldern, Meer und Leckereien | Blog | Urlaub Schleswig-Holstein
Strandcamping auf Fehmarn, © Kati Vollmers© Kati Vollmers

21. Mai 2017

Ein Cam­ping-Wo­chen­en­de in Ost­hol­stein: zwi­schen Raps­fel­dern, Meer und Le­cke­rei­en

Von Eutin in der Holsteinischen Schweiz über Pelzerhaken an der Ostsee bis nach Wenkendorf auf Fehmarn: Bloggerin Kati erkundet in ihrem Campervan den echten Norden und nimmt euch mit nach Ostholstein.

Ein warmer Wind strömt durch die Dachluke des VW Busses. Draußen höre ich bereits die ersten Camper mit ihren Kaffeetassen klimpern. Zeit aufzustehen! Ich öffne die Schiebetür und vor mir liegt der glatte Kellersee bei Eutin. Vier Männer stehen auf dem Steg des Campingplatzes Prinzenholz und bestreiten eine Regatta mit ferngesteuerten Modell-Segelschiffen. Amüsiert beobachte ich , wie sie ihre Boote um die Bojen manövrieren. Wir entschließen uns eine kurze Fahrradtour in die Stadt zu unternehmen. 15 Minuten dauert es bis Kai und ich an der modernen Promenade am Eutiner Schloss ankommen. Auf den Stegen und hölzernen Sitzgelegenheiten genießen wir das Panorama auf Schloss und See. Wir lassen die Fahrräder stehen und schlendern durch die kleinen Kopfsteingassen zur Altstadt. Es ist noch früh und dennoch herrscht ein fröhliches Treiben auf den Straßen. Tohuus ist eines der beliebten Cafés am zentralen Marktplatz. Zurecht, denke ich, als wir eintreten und uns ein betörender Kuchengeruch entgegen kommt. Die warmen Bleche stehen noch auf dem Tresen. Mein Tipp: Der Buttermilch-Walnuss Kuchen. Der ist einfach köstlich! Nach der Stärkung geht es zurück zum Campingplatz um weiterzuziehen.

Der Weg führt uns nordwärts an die Küste.Rapsfeld, © Kati Vollmers© Kati Vollmers Es ist Mai und daher wird der Weg von gelben Rapsfeldern gesäumt. Nur die Windräder durchbrechen von Zeit zu Zeit die Blütenmeere. Wir erreichen Pelzerhaken. Das Hawaii der Nordsee lockt mit idealen Surfbedingungen. Außerdem ist die flache Ostsee in dieser Region für Surfanfänge oder entspannte Stand-Up-Paddling Touren geeignet. (Kurse können zum Beispiel bei Sail & Surf oder Surfschule Pelzerhaken gebucht werden.) Einige Stunden verweilen wir am Strand und beobachten die Segelboote die bei einer leichten Brise auf dem Meer treiben. Der algige Geruch der Küste weckt selbst bei mir als Nordlicht Urlaubsgefühle. (Wohnmobilisten können auf dem Stellplatz Pelzer Wiese unweit des Strandes ihren Urlaub verbringen.)

Gegen Nachmittag treibt es uns weiter. Wir überqueren die Fehmarnsundbrücke und folgen der Beschilderung des Hofcafés Albertsdorf. In dessen Scheune erstrahlt ein bezauberndes Boutique-Café. Einheimische Leckereien wie Fehmarnsche Kröpl (Eine Mischung zwischen Quarkbällchen und Schmalzgebäck) stehen neben Torten-Klassikern und Tagessuppen auf der Kreidetafel. Für Frühaufsteher gibt es eine große Frühstückskarte mit hausgemachter Marmelade. Ich entscheide mich für die Currycreme-Suppe als kleine Zwischenmahlzeit abgerundet mit einem Kröpel ohne Rosinen.

Nach kurzer Weiterfahrt erreichen wir den Campingplatz am Deich in Wenkendorf. Der kleine Platz direkt hinter dem Deich besticht durch seine Lage: Im Vordergrund die Ostsee mit Blick auf Dänemark. Im Hintergrund Wald und Binnensee. Picknick am Deich, © Kati Vollmers© Kati VollmersDie große Wiesenlandschaft zwischen Deich und Meer lädt zum Picknicken, Sonnenbaden oder Frisbee spielen ein. Doch bevor wir uns niederlassen steht ein kleines Sportprogramm an. In kürzester Zeit pumpen wir mein SUP-Board auf und ich paddel damit ungestört auf dem Wasser umher. In der Ferne sehe ich Angler, die ihre Route ausgeworfen haben. Die Fährschiffe, die auf ihrem Weg von Schleswig-Holstein nach Schweden sind, senden ein leises Surren über die Meeresoberfläche. Erschöpft aber glücklich lasse ich mich noch einen Augenblick an der Küste treiben bevor ich an Land gehe.

Zurück am Campervan hat Kai bereits das Abendessen vorbereitet. Wir machen es und auf der Wiese am Strand bequem. Erst kurz vorm Sonnenuntergang wird es kühler, so dass wir uns an den Deich zurückziehen. Eingekuschelt in Wolldecken beobachten wir bei einem Glas Wein wie die Sonne im Meer versinkt.

Nach Einbruch der Dunkelheit mache ich eine Entdeckung: Auf dem Deich vor unserem VW Bus steht ein Reh. Es bewegt sich nicht bis wir vorsichtig versuchen unsere Schiebetür zu öffnen. Aufgeregt huscht es hinunter zum Meer. Schnell werfen wir unsere Jacken über und eilen hinterher. Dort springt es in rasanter Geschwindigkeit über die Wiesen bis es in den Schatten der Bäume verschwindet.

Bereits am frühen Morgen sitzen wir bei strahlendem Sonnenschein vor dem VW Bus und stärken uns für die anstehende Fahrradtour zum Flügger Leuchtturm. Bis zur kleinen Landzunge im Südwesten Fehmarns sind es etwa 15 Kilometer. Wir nehmen den Weg am Meer entlang auf dem wir den Ort Altenteil passieren.Schilflandschaft Altenteil, © Kati Vollmers© Kati Vollmers Der vorgelagerte Salzensee liegt zwischen uns und der Ostsee. Der Deich spendiert uns einen herrlichen Ausblick über die Schilflandschaft. Auf Höhe von Westermarkelsdorf verlassen wir den Küstenfahrradweg und folgen den Straßen über Schlagsdorf und Petersdorf. Hier machen wir Halt um auf dem Rapsblütenfest für unser kulinarisches Wohlergehen zu sorgen. Ein junger Mann in Seemanns-Dress und norddeutschem Slang präsentiert uns ein Fischfilet, das in wenigen Minuten in unser Fish`n Chips verwandelt wird. Kugelrund rollen wir die flachen Straßen Fehmarns weiter südwärts. Kaum eine Straße grenzt nicht an ein Rapsfeld. Von der Sonne gebräunt erreichen wir nach kurzer Zeit das Flügger Leuchtfeuer. Eingebettet in Getreidefelder bietet sich ein grandioses Panorama. Auch die Fehmarnsundbrücke ist zu sehen. Gut gelaunte Urlauber lassen sich am Leuchturm-Cafe nieder. Fast alle sind mit Fahrrädern unterwegs, da es keine Parkplätze und PKW-Zufahrtswege gibt.

Gegen Nachmittag sind wir zurück am Campingplatz. Nach kurzer Verschnaufpause düsen wir los um auch den östlichen Teil Fehmarns zu erkunden. Adventure Minigolf, © Kati Vollmers© Kati VollmersUnterwegs entdecken wir eine Adventure-Minigolf-Anlage auf dessen verrückten Bahnen wir einige Bälle versenken. Wir schlagen diese durch ein drehendes Wasserrad, auf einem wackeligen Surfbrett, über Miniaturflüsse und auf vielen weiteren kuriosen Bahnen. Mein Favorit? Die Leuchtturm Bahn. Warum? Weil Kai es selbst nach acht Schlägen nicht geschafft hat den Ball einzulochen und von der Mitfahrt auf der rotierenden Scheibe einen ordentlichen Drehwurm bekam. Als letzte Gäste verlassen wir die Anlage und fahren an die Steilküste Katharinenhof. Still und fast unberührt wirkt dieser Teil Fehmarns. Große Steine liegen verstreut zwischen kleineren im Meer. Als ob ein Riese sie willkürlich zu Boden fallen lassen hat. Ganze Bäume wurden durch vergangene Stürme der Steilküste entrissen. Wir beginnen auf der glatten See Steine zu flitschen. Wie kleine Kinder freuen wir uns über mehr als drei Hüpfer an der Wasseroberfläche. Erholt von einem Camping-Urlaub in Schleswig-Holstein lassen wir auf unserem Heimweg die Insel hinter uns. Die Sonne steht tief und färbt die Landschaft in einen warmen Schein. Wir halten in Großenbrode um einen letzten Blick auf die Brücke zu genießen die im warmen Abendlicht immer dunkler wird.

Kati Vollmers, © Kati Vollmers

Autor: Kati Vollmers

...reist als Gastbloggerin durch’s Land und ist auf der Suche nach Glücksorten für Camper in Schleswig-Holstein und inspiriert Urlauber auf ihrem eigenen Blog Cruising Campers Blog